Der Biedermann
Erich Mielke - eine deutsche Karriere
Dokumentation von Heribert Schwan
Länge: 45 Minuten
Redaktion: Claus Spahn
Sein Dienstvolk bestand aus einem Heer von Zuträgern und Spitzeln. Seine Brust zierten ungezählte Orden. Als überzeugter Kommunist diente er seinem Staat: SED-Spitzenfunktionär, Armeegeneral, Minister für Staatssicherheit.
Mit 23 Jahren wurde er Doppelmörder in Berlin und floh in Stalins Diktatur. Später nahm er am Spanischen Bürgerkrieg teil und ging in Belgien und Frankreich als linientreuer Kommunist in die Illegalität. Hitlers Herrschaft entzog er sich und gelangte 1945 unversehrt in seine Heimatstadt Berlin. Der glühende Verehrer Stalins schaffte noch vor Gründung der DDR den Sprung in den kommunistischen Machtapparat.
Politische Verantwortung übernahm Mielke im DDR-Sicherheitsbereich und stieg schließlich auf zum gefürchteten Geheimdienstchef. Als verantwortlicher Minister stand er zweiunddreißig Jahre lang für Unterdrückung, Bespitzelung und Verrat. Durch seine Befehle und Anordnungen verloren DDR-Bürger ihre berufliche Existenz, kamen ins Gefängnis und wurden ihrer Würde beraubt. Tausende von Menschen gehorchten seinem Willen, verrieten Freunde und Familienangehörige. Mielke ersann Zersetzungsmaßnahmen, brach Menschen das Rückgrat, verletzte Seelen und missbrauchte Lebensjahre. Sein hohes Alter und sein schlechter Gesundheitszustand verhinderten eine lebenslange Freiheitsstrafe. Über dreißig Ermittlungsverfahren wurden gegen ihn angestrengt.
Der Kölner Autor hat sich seit Jahren mit Erich Mielke beschäftigt und seinen Lebensweg nachgezeichnet. Dabei stieß er auf neue aufschlussreiche Dokumente in Berliner und Moskauer Archiven. Für die WDR-Dokumentation konnte er Zeitzeugen aus dem engsten Führungskreis des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit gewinnen. Einige von ihnen brachen erstmals ihr jahrelanges Schweigen.