Dr. Heribert Schwan | Der SS-Mann
Sonntag, 05. Februar 2012 - 20:30 Uhr

Der SS-Mann

Josef Blösche - Leben und Sterben eines Mörders

Ein Film von Heribert Schwan
Länge: 45 Minuten
Redaktion: Sabine Rollberg

ssmannwdr_300x400_400Das Foto mit einem kleinen Jungen aus dem Warschauer Ghetto, der seine Arme ängstlich in die Höhe hebt, ging um die Welt. Der Mann mit dem Gewehr im Anschlag war Josef Blösche. Er war mit verantwortlich, dass die auf dem Foto abgebildeten jüdischen Bürger sterben mussten. Das Bild entstand im Mai 1943 und gehört zu einer Sammlung von Aufnahmen über die Liquidierung des Warschauer Ghettos, aus der ein Bildband, der so genannte "Stroop-Bericht" für den "Reichsführer SS" Heinrich Himmler zusammengestellt wurde.

SS-Mann Josef Blösche, 1912 in Friedland / CSR geboren, war ein fanatischer Helfer Hitlers, Antisemit in schlimmster Form und ein kleines aber wichtiges Rädchen in der Vernichtungsmaschinerie des Dritten Reiches. Auf der Grenzpolizeischule in Pretzsch an der Elbe absolvierte der gelernte Kellner eine mehrmonatige militärische Grundausbildung und lernte den Umgang mit Pistole, Maschinenpistole und Karabiner. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion wurde er Mitglied eines Erschießungskommandos. Vom September 1941 bis zur totalen Zerstörung im Mai 1943 gehörte er zur Gestapo-Außenstelle des Warschauer Ghettos.
 
Nach einem schweren Arbeitsunfall 1946 als Bergmann in einer tschechischen Grube 1946 war er bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Niemand hätte ihn als SS-Schergen aus dem Warschauer Ghetto identifizieren können. Völlig un
ssmann2._160x120jpg_160behelligt arbeitete der ehemalige SS-Unterscharführer als fleißiger Bergmann in der DDR. Durch einen Haftbefehl des Hamburger Landgerichts wurden die DDR-Ermittlungsbehörden auf den Massenmörder aufmerksam. Sie verhafteten ihn und klagten ihn wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit an. Nach Abschluss des Strafverfahrens, bei dem zehn Überlebende des Warschauer Ghettos aus Polen und der Bundesrepublik aussagten, wurde Josef Blösche vom Bezirksgericht Erfurt 1969 zum Tode verurteilt und im Juli 1969 in Leipzig durch Genickschusssmann4_160x120_160s hingerichtet. Das Gericht fand ihn für schuldig, an der Deportation von über 300 000 jüdischen Bürgern beteiligt gewesen zu sein. Angelastet wurde ihm außerdem Mord an einer nicht mehr feststellbaren Zahl, mindestens aber bis zu 2000 Menschen, darunter Kleinkinder, schwangere Frauen, behinderte und alte Menschen. Befragt wurden Überlebende des Warschauer Ghettos aus Polen, Israel, Amerika und der Bundesrepublik, darunter auch der frühere Vorsitzende der jüdischen Gemeinde zu Berlin Jerzy Kanal und der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki. Zwei namhafte Wissenschafter beurteilen die Persönlichkeit des Massenmörders Josef Blösche aus forensisch-psychiatrischer und aus kriminalpsychologischer Sicht.

Das Buch zum Film mit gleichnamigen Titel erscheint im
ssmann5_160x120_160 Droemer-Verlag München. Am 30. Januar 2004 wurde der Film "Der SS-Mann - Josef Blösche - Leben und Sterben eines Mörders" mit der "Gold World Medal 2004" in der Kategorie "History & Society" im Wettbewerb für "Television Programming and Promotion Awards" der "New York Festivals" ausgezeichnet.

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